Die Astrologie ist nur mit der klassischen Raumvorstellung zu begreifen, nach der der Kosmos das Abbild einer göttlich inspirierten geometrischen Ordnung ist. Das ist das Schicksal der Astrologie. Während die Neuzeit nämlich den absoluten Raum, den Raum als “Behälter”, für sich entdeckte, musste die Astrologie notwendigerweise der demiurgisch-geometrischen Raumvorstellung treu bleiben, weil das Wesen der Himmelskörper für die Astrologie mehr war (und ist) als blosse Ausdehnung ( “res extensa”) und Mechanik. Die Astronomie wuchs in der Folge zu einer eigenen Disziplin heran und liess die Astrologie allein.
Mit dieser klassischen Raumvorstellung geht in der Astrologie eine klassische Zeitvorstellung einher. Diese Vorstellung besagt vereinfacht gesagt: Die Zeit ist im Raum; die Zeit ist “verräumlicht”; es ist der Raum, der die Zeit setzt. Und weil der Raum in der Astrologie, wie oben gesehen, ein vorkartesianischer d.h. ein durch Qualitäten formierter (“kosmomorpher”) Raum ist, wickelt sich die astrologische Zeit nicht homogen und linear ab — im Sinne des mathematischen Zeitpfeils t —, sondern der Beschaffenheit des Raumes ensprechend im “Kreis”, rhythmisch und nicht gleichförmig.
Kurz: Der Raum- und Zeitbegriff der Astrologie geht über die rein quantitative, astronomische Raum- und Zeitvorstellung hinaus.
Raum und Zeit in der Astrologie
303 Tage zuvor
Kategorie: Astrologie, Philosophie


