Bereits der zweite Anruf von Maximilian diesen Morgen.
Mit dem ersten Anruf um acht, der mich geweckt hat, macht mich Maximilian auf ein Ereignis aufmerksam, das mich, — vom astrologischen Standpunkt aus, wie er sagt —, interessieren müsse: ich befände mich momentan auf der Nullinie des magnetischen Erdpols. Die Nullinie durchlaufe gerade die Stadt, sagt er; dann wird er genauer und ortet die Nullinie zwei Kilometer von seiner Wohnung westlich, ungefähr unter meinem Bett. Er wisse von diesem Ereignis schon seit Jahren, aber es sei ihm erst nach unserem Gespräch gestern abend wieder in den Sinn gekommen, wie brennend aktuell dieses Ereignis gerade für mich sei: der Augenblick der Nullinie sei für mich just heute, ja man kann sagen im Moment dieses Telefonats, gekommen.
Ich stehe barfuss im Gang auf dem Linoleum, halte den Hörer in der Hand und wechsle von einem Bein auf das andere: unter mir die Nullinie. Ich bin beunruhigt und will das Telefon beenden, gebe aber noch der Hoffnung Ausdruck, dass die Linie wohl nicht zukünftig meine Schlafruhe annulliere. Tschüss, Maximilian.
Und dann erneut das Telefon:
Er fragt mich, ob ich im Horoskop auch den Tod sehe … (seine Stimme zittert) … er habe seit langem Vorahnungen … seit Neptun im Eckhaus stehe, habe sich das verstärkt …
— “Was hat sich verstärkt?”
Er schweigt zuerst, dann (flüsternd):
— “Es geschehen so seltsame Dinge, es spukt in der Wohnung.”
Ich beschwichtige ihn.
Er merkt, dass er mir zuviel ist, und beendet abrupt das Telefon.
Die Nullinie
255 Tage zuvor
Kategorie: Astrologie, Esoterik


